23. April 2010
In sieben Tagen – sprich einer Woche – ist es soweit und die lang erwartete LTS Version (Long Term Support) von Ubuntu “Lucid Lynx” erscheint. Wir haben uns bereits heute mit der Distribution beschäftigt und testen die Geschmacksrichtung “Netbook Remix”, die Canonical seit kurzer Zeit erst speziell für die beliebten Mitnahmerechner anbietet.
Als Testobjekt fungiert ein ASUS EEE PC der Version 900 A auf dem bereits werksseitig Linux vorinstalliert war. Auf dem Gerät lief bis dato der Netbook Remix von Ubuntu 9.10.
Die Upgradeprozedur auf dem SSD Winzling dauert rund acht Stunden. Wer das Gerät braucht, kann den ganzen Vorgang auch nachts laufen lassen. Was sofort auffällt, der Startvorgang konnte im Vergleich zum bereits sehr schnellen Karmic Koala nochmals beschleunigt werden. Auf dem Testgerät dauert der Bootvorgang von GRUB bis zur vollständig geladenen Benutzeroberfläche 28 Sekunden. Mit einem ATOM-Prozessor neuerer Generation sollte das ganze wohl noch schneller gehen.
Nachdem sich nun erstmals die neue violett leuchtende Oberfläche aufgebaut hat, muss man sagen, der Aufwand des Redesigns hat sich gelohnt. Die Oberfläche wirkt aufgeräumt, edel und elegant. Als etwas gewöhnungsbedürftig zu bezeichnen gibt es die Neuanordnung der Fenstersymbolik. Wer bspw. sein Fenster schließen möchte, muss nun links oben auf das “X” klicken. Begründet wird dass mit dem Hinweis auf der rechten Seite Platz schaffen zu wollen für zukünftige Innovationen – was auch immer das bedeuten mag. Einen besonderen Hinweis ist die neue Taskleiste wert. In ihr finden sich rechts oben die neuen, von Marc Shuttleworth benannten “Indikator”- Symbole bzw. Menüs. Die von Canonical entwickelte Technik soll den Nutzer nicht noch mit weiteren Symbolen verwirren oder das System überfrachten, sondern ganz im Gegenteil Übersichtlichkeit und möglichst einfache Interaktion gewährleisten. Das heißt konkret, das Briefumschlagssymbol steht nicht nur für neu erhaltene E-Mails, sondern hier wird jedwede Nachricht über jedwedes Medium angezeigt, sprich E-Mails, Chat, Twitter, Nachrichten von sozialen Netzwerken etc. Mit einem Klick auf das Symbol lässt sich dann umgehend mit dem jeweiligen Medium interagieren ohne zuvor über Programme / Internet etc. erst die jeweilige Applikation starten zu müssen. Andernfalls bietet das Batteriesymbol als weiteres Beispiel nicht nur Auskunft über den Ladezustand des Notebook-Akkus, sondern ebenso über den der drahtlosen Tastatur und Maus. Marc Shuttleworth meint, es würden noch mindestens drei Ubuntu Releases vergehen bis das System fertig ausgereift und vollständig implementiert sei, aber schon jetzt sind die ersten Ansätze sehr vielversprechend.
Die bereits unter Ubuntu 9.10 selbst installierten Anwendungen funktionieren auch nach dem Betriebssystemupgrade problemlos. Zu den mitgelieferten Anwendungen gehört jetzt OpenOffice in der Version 3.2 (neuerdings im Oracle Branding). Firefox verwendet in dieser getesteten Beta 2 noch Yahoo als Standardsuchdienst. Dieser soll ja in der Finalversion wieder auf Google umgestellt werden. Ein Grund für den plötzlichen Sinneswandel nannte Canonical nicht.
Das in der Vorgängerversion eingeführte “Software-Center” wurde weiter ausgebaut und mit Beschreibungen und Screenshots ermöglicht es so auch dem nicht Linux erfahrenen Laien eine extrem einfache Möglichkeit Software hinzuzufügen oder diese vom System wieder zu entfernen.
Zu guter letzt wäre noch der Musik-Allrounder Rhythmbox zu nennen, der in Lucid Lynx nun beim ersten Sttart mit dem “Ubuntu One Music Store” begrüßt. Auf einfachste Art und Weise kann man den Musikkatalog durchstöbern und in die Titel hineinhören. Gefällt ein Titel, lässt sich dieser im MP3-Format erwerben. Für alle Anhänger freier bzw. alternativer Lizenzmodelle sind natürlich nach wie vor Magnatune und Jamendo integriert. Ebenso an Bord die beliebten Radio-Streams oder der Zugriff auf Last.fm – Anmeldung vorausgesetzt.
Im Fazit muss man sagen, Ubuntu 10.04 macht einen sehr guten, ausgereiften Eindruck. Linux bzw. das Bedienen eines Computers mit einem vollwertigen Betriebssystem war wohl noch niemals so einfach. Bemerkenswert bei dem nun bevorstehenden Release ist vor allem die kurze Bootzeit, die auch die Popularität bei Nutzern von Notebooks und Netbooks noch weiter steigern dürfte.
Schlagworte: Canonical, Lucid Lynx, Marc Shuttleworth, Ubuntu 10.04 Netbook Remix, Ubuntu One Music Store
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16. März 2010
Wie die Firma E-Ink Corporation vor kurzem verlautbaren ließ, sollen bereits Ende des Jahres 2010 die ersten Tablets mit farbigen E-Ink Displays des Herstellers verkauft werden.
E-Ink Corporation wurde mitbegründet von Joseph Jacobson, einem Professor des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Kurze Zeit später wurde eine Zusammenarbeit mit dem Elektronikkonzern Philips vereinbart um die Technologie weiterzuentwickeln und zu vermarkten. Nachdem Philips die Sparte samt Patenten 2005 an “Prime View International” verkaufte, gab es wohl bei E-Ink nicht mehr ausreichend finanzielle Ressourcen um die E-Ink Farbtechnologie marktreif zu entwickeln. Im Jahr 2009 änderte sich dies, da sich Prime View International schließlich auch für 215 Millionen US-$ E-Ink Corporation einverleibte.
Displays von E-Ink werden beispielsweise im Sony Reader, dem Barnes and Noble Nook oder dem Amazon Kindle eingesetzt.

Illustration: Gerald Senarclens de Grancy CC BY SA 3.0
Der große Vorteil der E-Ink Technologie ist die Darstellungsqualität, die eher an ein Buch als an ein Computerdisplay erinnert. Lesen von derartigen Displays ist deutlich entspannter, da keine Hintergrundbeleuchtung zum Einsatz kommen muss. Weiterhin wird während der Darstellung kein Strom verbraucht. Nur für den Neuaufbau des Bildes, beispielsweise beim Umblättern von Seiten eines Buches fließt ein geringer Strom. Prototypen mit Farbdisplay wurden bereits vorgestellt. Bisher ist aber noch kein Produkt auf den Markt gelangt. Man darf gespannt sein, was uns im Weihnachtsgeschäft 2010 erwarten wird.
Schlagworte: E-Book Reader, E-Ink, E-Ink Corporation, Prime View International, Tablet
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10. März 2010
SUN Microsystems ex Chef Jonathan Schwartz eröffnet seinen erstmals am 09. März 2010 erschienenen Internet Blog “What I Couldn’t Say…” mit einem Paukenschlag. Er bescheinigt Google sein Mitgefühl und beschreibt seine Erlebnisse mit Steve Jobs (Apple) und Bill Gates (Microsoft) die beide gedroht hatten SUN für deren jeweils aktuelle Produkte zu verklagen.

Foto: Antonio Zugaldia CC BY 2.0 US
Im Jahr 2003 stellte SUN unter dem Namen “Project Looking Glass” eine neue 3D-Benutzeroberfläche für GNU/Linux und Solaris vor. Programmiert wurde der Desktop mit Java, dessen umfangreiche Fähigkeiten ermöglichen, Programmfenster in einem beliebigen Winkel zu drehen und abzulegen oder bspw. Notizen auf der Rückseite von geöffneten Fenstern anzubringen. Nach der Vorstellung klingelte es im Büro von Schwartz. Steve Jobs von Apple war am Apparat und teilte mit, die graphischen Effekte seien geistiges Eigentum von Apple und wenn SUN Looking Glass weiter vorantreiben oder kommerzialisieren würde werde er ihn verklagen. Schwartz verwies nach eigenen Angaben auf SUNs Betriebssystempatente im UNIX Umfeld. (MacOS ist auch ein UNIXoides Betriebssystem.) Steve Jobs schwieg nun. Seither gab es auch keine Gespräche mehr zu diesem Thema. Die Entwicklung von Looking Glass wurde später von SUN eingestellt. Aber nicht wegen Apple, wie Schwartz behauptet, sondern weil ein neuer 3D- Desktop das letzte sei, was Unternehmenskunden von SUN erwarteten.
Schwartz führt weiter aus, dies sei eine gute Vorbereitung gewesen für ein späteres Treffen mit Scott McNealy, Greg Papadopoulos, Bill Gates und ihm. Nach einer kurzen Smalltalkstrecke eröffnete Bill Gates das Wort und sagte, Microsoft gehöre der Office Markt und die Patente Microsofts seien allumfassend auch über OpenOffice. Schwartz argumentiert, die Vorgehensweise von Gates sei eine Spur mehr ausgeklügelt, denn Gates bot an SUN in Ruhe zu lassen, wenn entsprechende Lizenzzahlungen flössen. Schwartz spricht von der “digitalen Version der Schutzgelderpressung”. Er führte das Gespräch zum kurz zuvor von Microsoft entwickelten .NET und führte aus, die Entwicklung überging eine geradezu gewaltige Anzahl von Java Patenten SUNs. Er stellt die Frage in den Raum: “Was wollt ihr uns also für jede einzelne Windows Kopie bezahlen?” Es war ein kurzes Treffen.
Jonathan Schwartz fasst schließlich seine Gedanken zum Thema mit folgenden Worten zusammen: Mit Softwarepatenten Angriffe zu führen, anstatt sich auf den Markt zu konzentrieren, sei wohl eher eine Verzweiflungstat und führe die Kunden eher noch in die Hände des Wettbewerbs.
Schlagworte: Apple, Bill Gates, Jonathan Schwartz, Microsoft, Project Looking Glass, Steve Jobs, SUN
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