Ubuntu 10.04 bekommt eigenen Music Store

1. März 2010

Wie schon seit einiger Zeit bekannt, bekommt “Lucid Lynx” einen eigenen Shop zum Einkauf von Musik der großen Labels.

Vor kurzem wurden nun Details bekannt gegeben:
Der offizielle Name wird “Ubuntu One Music Store” lauten und auf dem Musikshopkonzept von “7digital” basieren. 7digtal wurde nach eigenen Angaben gewählt, weil hier der größte Umfang an DRM- freier Musik vorgefunden werden konnte, auch wenn 7digital gleichzeitig DRM- versiegelte Titel offeriert. DRM- freie Musik bindet nicht persönliche Daten des Nutzers in jedes Musikstück ein und hindert auch nicht an einer weitgehend freien Verwendung derselben.
Rhythmbox als Ubuntus Standardmusikplayer wird als Client für den Ubuntu One Music Store verwendet werden. Der bereits integrierte Zugang Rhythmboxs zu Jamendo und Magnatune als Anbieter offen oder unabhängig lizensierter Titel bleibt selbstverständlich erhalten.
Um den Shop nutzen zu können wird eine Anmeldung zu “Ubuntu One” nötig sein. Alle gekauften Titel werden automatisch in die Cloud-Speicherlösung Ubuntu One aufgenommen und können von dort mit den gegebenenfalls verschiedenen Rechnern des Musikliebhabers (Smartphone, Notebook, Desktop) abgeglichen werden. Der Onlinespeicher sorgt damit quasi als Backuplösung auch für eine gewisse Datensicherheit.

Martin Aircraft will Raketenrucksäcke in Serie fertigen

26. Februar 2010

Foto: martinjetpack CC BY 2.0 US

Raketenrucksäcke sind in alten (Duke Nukem 3D) und neuen (Starcraft II) Computerspielen ein gern gesehenes Hilfsmittel. Tatsächlich wird das im englischen “Jetpack” genannte Fluggerät vor allem bei den Außeneinsätzen von Astronauten im Weltall eingesetzt. Einige kommerzielle Anbieter offerieren und entwickelten entsprechende Geräte bereits in den 60er Jahren, wie das amerikanische Unternehmen “Bell Textron”. Einheitlicher Schwachpunkt bis heute ist die kurze Flugzeit von etwa einer halben bis einer Minute.

Der Traum vom Fliegen könnte nun deutlich näher rücken, hat das neuseeländische Unternehmen “Martin Aircraft” doch angekündigt, sein Jetpack bis Ende des Jahres 2010 in Serie zu fertigen und zu vertreiben.
Der große Unterschied zu den bisherigen Systemen liegt im Antrieb. Beim “Martin Jetpack” handelt es sich nämlich gar nicht um einen Raketenrucksack, sondern um einen 200 PS Benzinmotor, der zwei senkrecht stehende Propeller antreibt. Mit den beiden Steuerknüppeln kann der Pilot Höhe, Richtung und Geschwindigkeit steuern. Das Leergewicht wird herstellerseitig mit  250 lbs ohne Sicherheitssystem (entspricht etwa 113 kg) angegeben. Der große Vorteil beim zugrundeliegenden Antrieb im Vergleich zu  bestehenden Raktensystemen liegt in der Flugzeit, die durch den klassischen Verbrennungsmotor eine halbe Stunde betragen kann. Als Sicherheitssystem wird ein ballistischer Fallschrim integriert, der ähnlich einem Schleudersitz arbeitet. Das Fluggerät entspricht den Vorgaben der “Ultralight”- Klasse und wird nach ersten Verlautbarungen etwa 100.000 US-$ kosten (rund 74.000 €).

Free Software Foundation wünscht sich von Google VP8 als freien Standardcodec für YouTube

20. Februar 2010

Im August 2009 kündigte Google an, den Video-Codec Spezialisten “On2 Technologies” für 106,5 Millionen US-$ übernehmen zu wollen.

In den 1990er Jahren entwickelte die junge Firma, damals unter dem Namen “The Duck Corporation” den Videocodec “TrueMotion S”, der in videobasierten Computerspielen jener Zeit eingesetzt wurde. 2002 wurde der von On2 Technologies entwickelte VP3 Codec samt Quelltext und verbundenen Patenten der freien Software Gemeinde übergeben und stellt seither die Grundlage des weit verbreiteten quelltextoffenen, patentfreien Codecs Theora dar. Die Weiterentwicklung VP6 wurde im Jahr 2004 in Version 8 von Adobes Flash eingefürt und stellt damit bis dato den Standard für Videowiedergabe innerhalb des Flash-Formats. VP7, im Frühjahr 2005 angekündigt, wird im Videokonferenzteil des Messengers Skype eingesetzt. VP8 schließlich, seit Herbst 2008 verfügbar, ist wohl momentan der beste erhältliche Videocodec überhaupt. So zeigen auch Vergleichstests mit H.264 bei gleicher Bitrate eine erheblich bessere Videoqualität.

Nun, am 16. Februar 2010 konnte die Übernahme von On2 Technologies durch Google erfolgreich abgeschossen werden.

Es fällt nicht schwer, sich auszumalen welche Beweggründe Google dazu verleitet haben dürften den Video-Codec Spezialisten übernehmen zu wollen: Google betreibt mit YouTube das größte Videostreaming-Portal der Welt. Im Oktober 2009 gab YouTube bekannt, über eine Milliarde Videoaufrufe täglich zu verzeichnen. Angeblich ist das Portal für 10% des gesamten weltweit versendeten Datenvolumens verantwortlich. Dementsprechend müssen die Hosting- und Traffickosten für den Konzern enorm sein. Schon kleine Einsparungen im Datenvolumen dürften sich ganz beachtlich in den laufenden Kosten niederschlagen.

Nun kommt der, am 16. Februar 2010 von der Free Software Foundation (FSF) abgesendete, offene Brief an Google nicht unbedingt überraschend.
Die FSF fordert Google nunmehr auf, VP8 als freien, quelltextoffenen Codec freizugeben und unter YouTube einzusetzen um damit das Internet von einerseits dem Flash-Format und dem auch im Internet immer populärer werdenden, proprietärem Videocodec H.264 zu befreien.

Die Vorstellung wäre in der Tat verlockend, könnte doch durch den Einsatz der modernen HMTL5- Browser jeder Nutzer ohne das installieren zusätzlich (proprietärer) Software wie Adobes Flash in den Genuss hocheffizienter Videos kommen. Organisationen wie Mozilla oder Wikimedia warten schon sehnlichst auf entsprechende Möglichkeiten. Und auch aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten würde die Freigabe der Schlüsseltechnologie VP8 nicht unbedingt den Firmenwert von Googles jüngster Tochter On2 Technologies neutralisieren. Das hat nicht zuletzt die Freigabe von VP3 als Open Source gezeigt, denn On2 ist heute wohl immer noch Marktführer in Sachen Videokomprimierung.